Two days on road

Ich sitze im Zug nach San Francisco, dass ist nicht ganz richtig, denn der Zug bringt mich nur bis nach Emeryville. Von dort geht dann ein Bus die letzte halbe Stunde in die Stadt. Letztlich fahr ich schon an meinem Ziel (Davis-Sacramento) vorbei. Drum fahre ich von SF wieder mit dem Bus Richtung Norden, nach Eureka. Dies ist der einzig gute Weg um irgendwie an die Küste der nördlichen Californiens zu kommen.
Ich hätte auch unglaubliche 30 Stunden Bus fahren können, wäre dann auch über Sacramento gekommen, aber das schien mir wegen der zahlreichen Umstiege sehr ungünstig.
Jetzt also so. Mittlerweile besitze ich ein Netbook und hatte eigentlich gehofft direkt hier im Zug diesen Eintrag online zu stellen. Aber scheinbar gibt es auf dieser Strecke kein WiFi.
Die letzte Nacht verbrachte ich bei Aggi und Andres, wo ich auch Susanne und Jack traf. Andres und Susanne sind zwei der vier Kinder Aggis und Jack ihr Enkel.
Ich bin froh sie kennengelernt zu haben. Caroline gab mir die Adresse ihrer Tante und Aggi versprach mir ein Bett und eine warme Suppe. Letztlich schneite ich unangekündigt herein und es gab viel leckeres Essen, sowie zufälligen Besuch von Andres, der normalerweise in Indiana wohnt. Neele besuchte ihn und die Familie einst dort.

Sie gaben mir dann den guten Rat die Strecke so zu fahren wie ich es jetzt machen werde. Sie kennen ihr Land sehr gut und Andres plante mit mir den weiteren Verlauf am morgen und brachte mich dann am Abend nach Albany, wo der Zug mit einstündiger Verspätung losfuhr. Das scheint normal hier zu sein erklärte er mir. Da die Gleise nicht Amtrak (der staatlichen Bahngesellschaft) gehören und Güterzüge immer Vorrang haben.
Da ich über 200km von Portland nach Corvallis in den Beinen hatte, wurde der Abend nicht mehr allzu lang. Über meinen tollen neuen Aufkleber (eat shit and die) kamen wir dann über Agriculture ins Gespräch und Susanne, die scheinbar einst in Neuseeland eine Farm betrieben hat, empfahl „Supersize me“. Dieser Film zeigt einen etwa 30jährigen, kerngesunden Amerikaner, der versucht hat 30 Tage nur von McDonalds Produkten gelebt hat. Er hat es überlebt, aber am Ende dieses Monats hat er 12 Kilo zugenommen und war krank. Alle seine Werte hatten sich verschlechtert, doch McDonalds war für ein Interview nicht zu sprechen.
In Corvallis kam ich auch in den Besitz eines guten Souvenirs. Wir aßen bei Nearly Normal’s zu Mittag. Gute Burrito aus rein vegetarischer Küche, die von einer Nachbarin von Aggi betrieben wird. Dazu muss man wissen, dass Corvallis in den 60ern eine kleine Hippie-Hochburg war und noch heute von sich behauptet Grün zu sein. So bezieht die über 50.000 Einwohner große Stadt ihren Strom aus erneuerbaren Energien und schimpft sich fahrradfreundlich. Bei rund der Hälfte an Studenten in der Stadt ist das fast normal.
Der Laden verkaufte Shirts aus Organic Cotton mit einem Logo oder so etwas auf der Front. Da dachte ich mich schlag zu. Das Shirt scheint zwar nur aus 6% Organic zu sein, aber ein gutes Ding.
Es wird noch einen Aufkleber mit der Landesflagge für’s Rad geben und für euch zu Hause Postkarten, aber dann reicht es auch mit Souvenir-Krams.
Der Zug macht gerade halt in Eugene und ich werde noch einen Bagel essen, etwas lesen und später schlafen.
Vielleicht noch ein paar Worte zu den ersten zwei Tagen auf dem Rad. Insgesamt war ich sehr zufrieden mit mir und dem Rad. Es geht viel besser voran als früher und auch die Berge konnte ich gut überwinden. Die Strecke wies mir Google Maps recht zuverlässig. An einer Stelle war der Fahrradweg gesperrt und ich musste irgendwie parallel fahren, doch das ging dank Kompass sehr gut.
Am Abend gelangte ich dann in Salem an und überlegte noch weiter nach Corvallis zu fahren. Zum Glück tat ich es nicht, denn die rund 30km dort hin waren in Wirklichkeit 70km. Ich hätte es niemals geschafft. So suchte ich mir in Salem einen guten Platz für mein Zelt etwas außerhalb der Stadt. Da war zwar kein Camping Platz, aber für eine Nacht unter einem Haselnussbaum sollte das wohl mal gehen.
An der Küste gibt es etliche Plätze. Ich freue mich auf Californien, die Sonne und auch bald Mareike und Lasse zu treffen.

Have a nice time guys. Auf bald…

PS: Der Eintrag geht aus einem Starbucks in San Francisco online. Nicht so gemütlich deswegen gibt es vorerst keine neue Fotos. Suche gleich die Greyhound Busstadion auf und hoffe, dass mit meinem Rad alles glatt geht. Dann werde ich heute Abend in Eureka sein und dort eine Nacht bleiben. Morgen geht’s dann in die Cheese Factory in der Nähe (Hej Franz und Rainer soll ich euch was mitbringen? ;-). Und in sechs bis sieben Tagen sollte ich dann wieder in San Francisco sein. So far…

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Eine Antwort zu Two days on road

  1. Christian Fischer schreibt:

    Ich grüße dich Michael!
    Bin mir nicht sicher, wo du schon sein wirst, wenn du das hier liest aber sicherlich bist uns allen, die die Ferien über im heimischen Deutschland verweilen, in der Erfahrungs-und Eindruckssammlung des letzten Monats weit (sehr weit) voraus! Und das finde ich klasse, ich freue mich für dich. Mit dem Rad durch Amerika…wirklich spitze! Halt dich wacker und genieße die Zeit, ich wünsche dir weiterhin ganz viel Vergnügen!
    Herzlich Grüße, Christian

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